Verlaufskontrollen während der Hormonersatztherapie

Verlaufskontrollen während der Hormonersatztherapie

Ein persönlicher Wegweiser rund um den Beginn einer HRT

Hormone? Vielleicht. Aber zuerst: Wie geht es dir wirklich?

Wenn du nicht mehr durchschläfst.
Wenn dein Herz plötzlich schneller schlägt – und du nicht weißt, ob es Angst ist, Wut oder einfach Erschöpfung.
Wenn dein Körper sich fremd anfühlt und du dich selbst nicht mehr ganz erkennst.

Dann beginnt mehr als eine hormonelle Umstellung.
Es beginnt ein inneres Gespräch, das viele Frauen lange aufschieben.

Die Wechseljahre zeigen sich nicht nach Lehrbuch. Für manche sind sie ein leiser Übergang, für andere ein deutlicher Bruch. Irgendwann stellt sich diese eine Frage:
Muss ich das aushalten – oder darf ich mir helfen lassen?

Eine mögliche Antwort kann die Hormonersatztherapie (HRT) sein. Sie kann entlasten. Aber bevor es um Tabletten, Pflaster oder Gele geht, geht es um etwas Grundsätzlicheres:
um dich, deine Geschichte und das, was du brauchst, um dich wieder stabil zu fühlen.


Was vor jeder Therapie steht: ein ehrliches Gespräch

Am Anfang steht kein Rezept, sondern eine Begegnung.
Die Anamnese ist mehr als eine Checkliste – sie ist eine Einladung, deine Erfahrungen ernst zu nehmen.

  • Wann haben die Veränderungen begonnen?
  • Welche Symptome belasten dich am meisten?
  • Gibt es Tage, an denen du dich kaum wiedererkennst?

Vielleicht sind es nächtliche Hitzewallungen.
Ein permanentes Gedankenrauschen.
Oder eine innere Unruhe ohne klaren Auslöser.

Manchmal reicht ein einziges Symptom, um zu wissen:
So möchte ich mich nicht weiter fühlen.


Deine Geschichte hat Gewicht

Deine gesundheitliche Vorgeschichte ist kein Randdetail. Sie entscheidet mit darüber, ob und wie eine HRT für dich infrage kommt.

Wichtige Aspekte sind zum Beispiel:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie
  • Brustkrebs oder Thrombosen
  • Endometriose, Myome oder PCOS
  • deine aktuelle psychische Belastung

Auch dein Lebensstil fließt ein:

  • Bewegung
  • Ernährung
  • Schlaf
  • Erholungsphasen

Diese Fragen sind kein Urteil. Sie helfen, eine Therapie zu wählen, die sicher und passend ist.


Körperliche Untersuchungen: sorgfältig, nicht misstrauisch

Vor Beginn einer HRT gehören einige Untersuchungen zur guten medizinischen Praxis.
Nicht, weil man dir nicht glaubt – sondern um Risiken verantwortungsvoll abzuschätzen.

Typischerweise gehören dazu:

  • Blutdruck, Gewicht, Körpergröße
  • Tastuntersuchung der Brust
  • Ultraschall von Gebärmutter und Eierstöcken
  • Zellabstrich vom Gebärmutterhals (Pap-Test)

Je nach Situation kommen Laborwerte hinzu:

  • Hormonstatus (z. B. FSH, Östradiol)
  • Leber-, Nieren- und Blutfettwerte
  • Vitamin-D-Status
  • ggf. Gerinnungswerte

Diese Ergebnisse helfen, eine Therapie gezielt zu planen – nicht pauschal, sondern individuell.


Wenn mehr Klarheit nötig ist

Manche Frauen bringen besondere Voraussetzungen mit. Dann können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein:

  • Knochendichtemessung, bei erhöhtem Osteoporoserisiko
  • Mammographie, bei familiärer Brustkrebsbelastung
  • Thromboserisiko-Abklärung, bei entsprechender Vorgeschichte

Diese Untersuchungen dienen nicht der Verunsicherung, sondern der informierten Entscheidung.


Die Therapieform: individuell statt standardisiert

HRT ist kein Einheitskonzept.
Ob Tablette, Pflaster, Gel oder lokal wirkende Präparate – die Wahl richtet sich nach:

  • deinen Symptomen
  • deiner Verträglichkeit
  • deinem Alltag
  • deinem Risikoprofil

Auch Alternativen oder Ergänzungen werden mitbedacht:

  • pflanzliche Präparate
  • Lebensstil-Anpassungen
  • psychotherapeutische Begleitung

Der Grundsatz lautet:
So wenig wie möglich. So viel wie nötig. Und immer überprüfbar.


Verlaufskontrollen während der Hormonersatztherapie

Eine HRT ist kein statischer Zustand. Sie wird begleitet, angepasst und regelmäßig überprüft.

  • Erste Kontrolle nach ca. 3 Monaten
    Wie geht es dir? Haben sich Symptome verändert? Passt die Dosierung?
  • Weitere Kontrolle nach 12 Monaten
  • Danach in der Regel jährlich

Diese Termine sind genauso wichtig wie der Therapiebeginn. Sie stellen sicher, dass Nutzen und Verträglichkeit im Gleichgewicht bleiben.

Auch nach der letzten Regelblutung und während einer laufenden HRT gilt:
Regelmäßige gynäkologische Vorsorge bleibt ein zentraler Bestandteil deiner Gesundheitsbegleitung.


Fazit: Du bist nicht allein

Hormone sind kein Allheilmittel.
Aber sie können dir ein Stück Lebensqualität zurückgeben, das du vermisst hast.

Du darfst zögern.
Du darfst Fragen stellen.
Und du darfst dir Zeit nehmen.

Denn was zählt, ist nicht nur die Therapie – sondern eine Entscheidung, die dich stärkt.


💡
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Wissenschaftliche Quellen

  • S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause: Diagnostik und Interventionen
    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), 2020
  • European Menopause and Andropause Society (EMAS)
    EMAS Recommendations on Hormone Therapy, aktualisiert 2024/2025
  • Mayo Clinic
    Hormone replacement therapy: Benefits and risks, 2024
  • National Library of Medicine (NIH)
    Hormone replacement therapy – indications and risk assessment
  • North American Menopause Society (NAMS)
    The 2022 Hormone Therapy Position Statement

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