Wenn Hitze im Kopf entsteht – und Hormone nicht die einzige Antwort sind

Wenn Hitze im Kopf entsteht – und Hormone nicht die einzige Antwort sind

Hitzewallungen fühlen sich oft an, als würde der Körper plötzlich gegen sich selbst arbeiten. Ohne Vorwarnung steigt die Hitze auf, der Puls beschleunigt sich, Schweiß bricht aus, tagsüber, nachts, mitten im Gespräch oder im Schlaf.

Viele Frauen denken bei der Behandlung zuerst an Hormone. Aber nicht jede möchte oder kann eine Hormontherapie nutzen. Genau hier öffnet sich eine neue Entwicklung in der Medizin der Wechseljahre.

Was im Körper passiert

Die Steuerung der Körpertemperatur sitzt im Hypothalamus. Dort arbeiten Nervenzellen, Hormone und Botenstoffe eng zusammen.

Wenn der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, geraten bestimmte Nervenzellen, sogenannte KNDy-Neuronen, aus dem Gleichgewicht. Sie senden zu häufig und zu stark Signale aus, die dem Körper fälschlich Überhitzung melden. Der Körper reagiert mit dem, was er gelernt hat: Hitzewallung, Schweiß, Herzklopfen.

Das ist keine Einbildung. Das ist Neurobiologie.

Der NK3-Rezeptor und seine Rolle

Der Neurokinin-3-Rezeptor (NK3R) ist ein Andockpunkt für den Botenstoff Neurokinin B. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Kommunikation dieser KNDy-Neuronen.[¹] Wenn dieser Rezeptor überaktiv ist, gerät die Temperaturregulation aus dem Takt.

NK3-Rezeptor-Antagonisten blockieren gezielt diese überaktiven Signale im Gehirn. Sie greifen nicht in den Hormonhaushalt ein, ersetzen kein Östrogen und wirken direkt auf die neuronale Ursache der Hitzewallungen.

Das Ziel ist nicht, den Körper umzuprogrammieren. Sondern ihm zu helfen, wieder stabil zu regulieren.

Was klinische Studien zeigen

In Studien zu Fezolinetant, dem aktuell klinisch relevantesten Vertreter dieser Wirkstoffklasse, zeigten sich deutliche Reduktionen der Häufigkeit und Intensität von Hitzewallungen.[²] Viele Frauen berichten außerdem von besserem Schlaf. Der Wirkeintritt kann bereits innerhalb weniger Tage einsetzen.

Fezolinetant ist seit 2023 in den USA (FDA) und seit 2024 auch in Europa (EMA) zugelassen. Weitere Wirkstoffe dieser Klasse befinden sich in der Entwicklung: darunter Pavinetant und NT-814.

Was dafür und was dagegen spricht

Für NK3-Rezeptor-Antagonisten sprechen: kein Eingriff in den Hormonhaushalt, gezielte Wirkung auf vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Nachtschweiß, und eine Option für Frauen, bei denen Hormone medizinisch nicht empfohlen sind.

Mögliche Nebenwirkungen umfassen Müdigkeit, Kopfschmerzen und in seltenen Fällen Veränderungen der Leberwerte.[²] Ärztliche Begleitung und regelmäßige Kontrolle gehören deshalb dazu.

Für wen ist das relevant?

NK3-Rezeptor-Antagonisten können besonders sinnvoll sein, wenn eine Hormontherapie nicht gewünscht wird oder medizinisch nicht infrage kommt, zum Beispiel bei bestimmten Vorerkrankungen. Sie sind keine Antwort auf alle Wechseljahresbeschwerden, aber sie erweitern den Handlungsspielraum deutlich.

Informierte Entscheidungen beginnen damit, zu wissen, dass es Optionen gibt.

💡
Mehr medizinische Einordnung und individuelle Begleitung findest du in der hermaid-App. Finde Expertinnen, die mit dir gemeinsam die richtige Option für dich einschätzen.: https://download.hermaid.me/

Quellen

[¹] Krajewski-Hall MA et al. Neurokinin 3 receptor-expressing neurons in the median preoptic nucleus modulate heat-dissipation effectors in the female mouse. Temperature. 2019;6(4):319–332. https://doi.org/10.1080/23328940.2019.1578420

[²] Prague JK et al. Neurokinin 3 receptor antagonism as a novel treatment for menopausal hot flushes. Lancet. 2017;389(10081):1809–1820. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(17)30823-1

Mehr Artikel

Priorisiere dich und deine Gesundheit!

Entdecke deine Gesundheit mit hermaid: effizient, bequem und individuell auf dich zugeschnitten