Intimgesundheit ohne Tabu – warum wir endlich sprechen müssen

Intimgesundheit ohne Tabu – warum wir endlich sprechen müssen

Warum wir über Beschwerden im Intimbereich endlich offen sprechen müssen

Wenn über die Menopause gesprochen wird, denken viele zuerst an Hitzewallungen oder Schlafstörungen.
Was deutlich seltener thematisiert wird: Veränderungen im Intimbereich und beim Wasserlassen.

Dabei sind sie häufig. Sehr häufig sogar.

Vaginale Trockenheit, Brennen, Juckreiz, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder wiederkehrende Harnwegsinfekte betreffen einen großen Teil der Frauen in und nach den Wechseljahren. Diese Beschwerden haben einen Namen:

Genitourinäres Syndrom der Menopause (GSM).

Und vor allem: Sie sind erklärbar – und gut behandelbar.


Wenn „untenrum“ etwas nicht stimmt – und niemand darüber spricht

Viele Frauen kennen diese Situation:
Ein Brennen beim Wasserlassen, ein unangenehmes Reibegefühl, das Gefühl, ständig zur Toilette zu müssen. Oft wird gehofft, dass es „von selbst wieder weggeht“.

Stattdessen wird gegoogelt, geschwiegen, ausgehalten.

Doch genau dieses Schweigen führt dazu, dass Beschwerden chronisch werden, Lebensqualität sinkt – und sich Frauen allein fühlen mit etwas, das medizinisch gut einzuordnen wäre.


Wenn Hormone mitmischen

Was viele nicht wissen:
Wiederkehrende Harnwegsinfekte oder vaginale Beschwerden können ein frühes Zeichen hormoneller Veränderungen sein.

Sinkt der Östrogenspiegel – etwa in den Wechseljahren, aber auch rund um Zyklusveränderungen oder nach Schwangerschaften – verändern sich die Schleimhäute von Vagina und Blase:

  • sie werden dünner und trockener
  • die Durchblutung nimmt ab
  • der pH-Wert steigt
  • schützende Laktobazillen gehen zurück

Das macht es Bakterien leichter, Infektionen auszulösen. Viele Frauen berichten rückblickend, dass ihre erste Blasenentzündung eines der ersten Anzeichen hormoneller Umstellung war.

Die gute Nachricht: Es gibt wirksame, lokale Therapien.


Lokale Östrogentherapie: medizinischer Standard bei GSM

Die wirksamste und am besten untersuchte Behandlung des GSM ist die lokale Östrogentherapie, z. B. mit Estriol als Creme, Zäpfchen oder Vaginalring.

Wichtig zu wissen:

  • sehr niedrige Dosierung
  • Wirkung direkt an der Schleimhaut
  • keine relevante systemische Hormonwirkung
  • sehr gute Langzeitsicherheitsdaten

Sie verbessert:

  • Feuchtigkeit und Elastizität der Schleimhäute
  • Durchblutung
  • pH-Wert und Vaginalflora
  • Schmerzen beim Sex
  • Häufigkeit von Harnwegsinfekten

Auch bei vielen Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte ist eine lokale Therapie möglich – immer individuell ärztlich abzuklären.


Nicht-hormonelle Optionen: ergänzend oder alternativ

Für Frauen, die keine Hormone anwenden möchten oder dürfen, gibt es weitere Möglichkeiten:

  • D-Mannose & Cranberry-Extrakte
    Erschweren das Anhaften von Bakterien an der Blasenwand. Eine Meta-Analyse zeigt eine Risikoreduktion für wiederkehrende HWI um ca. 26 %.
  • Probiotika / Milchsäurebakterien
    Unterstützen die Vaginalflora, besonders nach Antibiotika.
  • Heilpflanzen wie Goldrute oder Kapuzinerkresse
    Unterstützend, nicht ersetzend.
  • Vaginale Lasertherapie
    Kann bei ausgewählten Patientinnen Symptome lindern, die Studienlage ist jedoch heterogen. Sie gilt nicht als Ersatz für lokale Östrogene, sondern als mögliche Option bei Kontraindikationen.

Wann ärztliche Abklärung wichtig ist

  • bei wiederkehrenden Infekten
  • bei Schmerzen, die nicht abklingen
  • bei Blut im Urin oder Fieber
  • wenn Beschwerden den Alltag einschränken

Wiederkehrende Beschwerden sind kein „Pech“, sondern ein medizinisches Signal.


Fazit

Intimgesundheit ist kein Randthema.
Sie beeinflusst Schlaf, Sexualität, Bewegung, Selbstbild und Lebensqualität.

Das genitourinäre Syndrom der Menopause ist häufig – aber kein Schicksal, das man hinnehmen muss.
Darüber zu sprechen ist kein Tabubruch. Es ist Selbstfürsorge.

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