
Wenn sich Haut und Haare verändern – und plötzlich alles neu sortiert werden will
Neulich saß ich bei einer Kosmetikerin.
Sie schaute meine Haut an, lächelte freundlich und sagte:
„Ihre Haut braucht jetzt etwas anderes. Reifere Haut hat andere Bedürfnisse.“
Natürlich hatte sie recht.
Und trotzdem ratterte es in meinem Kopf.
Warum hat mir das eigentlich noch niemand früher gesagt?
Warum sagt niemand: Jetzt, wo du über 40 bist, darfst du anders essen. Anders trainieren. Anders pflegen. Anders mit dir umgehen.
Viele Frauen erleben genau diesen Moment.
Nicht laut. Nicht dramatisch.
Sondern leise – beim Blick in den Spiegel, beim Kämmen der Haare, beim Eincremen.
Und plötzlich ist da diese Frage:
Bin das noch ich – oder verliere ich gerade etwas?
Veränderungen, die verunsichern dürfen
In den Wechseljahren – also in der hormonellen Übergangsphase vor und nach der Menopause – bemerken viele Frauen Veränderungen an Haut und Haaren:
- Die Haut fühlt sich trockener an
- Sie spannt, juckt schneller oder reagiert empfindlicher
- Haare werden feiner oder fallen stärker aus
Das kann irritieren. Und verunsichern.
Vor allem, wenn niemand diese Veränderungen einordnet.
Dabei sind sie für viele Frauen Teil dieser Lebensphase.
Und vor allem: Sie sind erklärbar.
Warum Haut und Haare plötzlich anders reagieren
Mit den Wechseljahren verändert sich das hormonelle Gleichgewicht im Körper grundlegend.
Besonders der Rückgang von Östrogen spielt hier eine zentrale Rolle.
Östrogen beeinflusst unter anderem:
- die Feuchtigkeitsbindung der Haut
- ihre Elastizität
- die Regeneration
- entzündungshemmende Schutzmechanismen
Wenn dieser hormonelle Schutz nachlässt, verändert sich nicht der Wert der Haut – sondern ihr Bedarf.
Das bedeutet nicht, dass Haut „abbaut“.
Sondern dass sie neue Bedingungen hat.
Was früher gut funktioniert hat, passt jetzt vielleicht nicht mehr.
Diese Veränderung ist kein Defizit.
Sie ist Ausdruck einer neuen hormonellen Realität.
Haarausfall: häufig, belastend – und ernst zu nehmen
Haarausfall gehört zu den Themen, die Frauen 40+ besonders beschäftigen.
Und zu Recht.
Studien zeigen, dass bestimmte Formen des Haarausfalls – etwa hormonell bedingter Haarausfall oder die frontal fibrosierende Alopezie – häufig erst nach der Menopause auftreten oder sich dann verstärken.
Auch hormonelle Therapien können Einfluss nehmen:
- Manche wirken stabilisierend
- Andere können Haarausfall begünstigen
Deshalb gilt:
Haarausfall braucht keine vorschnelle Bewertung – sondern eine individuelle Einordnung.
Bei hermaid sehen wir Haarausfall nicht als kosmetisches Thema.
Sondern als Symptom, das Aufmerksamkeit verdient.
Medizinisch fundiert. Ohne Dramatisierung. Ohne Abtun.
Wenn Entzündungen leichter entstehen
Östrogen wirkt auch entzündungshemmend.
Sinkt dieser Einfluss, können bestehende entzündliche Hauterkrankungen sensibler reagieren.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Psoriasis
- andere chronisch-entzündliche Hautzustände
Wichtig dabei:
Nicht jede Frau erlebt diese Veränderungen gleich.
Manche spüren sie deutlich. Andere kaum.
Auch hier gilt:
Es gibt keine pauschalen Antworten.
Nur gute, persönliche Entscheidungen auf Basis von Wissen.
Akne, Rosazea & empfindliche Haut – weniger eindeutig, als viele denken
Nach der Menopause nehmen Akne und Rosazea im Durchschnitt eher ab.
Und trotzdem berichten viele Frauen von neuen Hautreaktionen.
Warum?
- Hormonelle Behandlungen können Hautprozesse beeinflussen
- Besonders Präparate mit androgenähnlicher Wirkung können bestehende Beschwerden verstärken
- Die Haut reagiert oft schneller auf Pflegeprodukte, Stress oder Temperaturwechsel
Viele beschreiben es so:
„Meine Haut kippt schneller.“
Auch das ist keine Einbildung – sondern hormonell erklärbar.
Pigmentveränderungen und chronische Hautprobleme
Bei Pigmentflecken oder chronischen Erkrankungen wie Hidradenitis suppurativa zeigt sich besonders deutlich, wie individuell die Wechseljahre verlaufen:
- Manche Symptome bessern sich
- Andere bleiben
- Wieder andere verändern sich neu
Was hier vor allem zählt:
Ernst genommen zu werden.
Nicht jede Veränderung braucht sofort eine Therapie.
Aber jede braucht Einordnung.
Was viele Frauen im Wechsel erleben
Unabhängig von einzelnen Diagnosen zeigen Studien sehr klar:
- Trockene Haut betrifft einen Großteil der Frauen
- Juckreiz und Spannungsgefühle nehmen zu
- Haarstruktur und Haardichte verändern sich
- Pigmentierung kann unruhiger werden
Diese Erfahrungen sind nicht ungewöhnlich.
Und sie sind kein persönliches Versagen.
Was jetzt unterstützen kann
Es geht nicht darum, Symptome zu überdecken.
Sondern darum, den Körper in einer neuen Phase zu verstehen.
Das kann bedeuten:
- Pflege, die sich an veränderten Hautbedürfnissen orientiert
- Frühzeitige Abklärung bei starkem Haarausfall oder Entzündungen
- Eine informierte, individuelle Entscheidung zur Hormonersatztherapie
- Zeit, um neue Routinen zu entwickeln, die wirklich passen
Bei hermaid begleiten wir Frauen dabei, ihre Symptome einzuordnen, Zusammenhänge zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Ohne Druck. Ohne Mythen. Ohne „one size fits all“.
Vielleicht ist das der eigentliche Wandel
Die Wechseljahre verändern nicht nur Hormone.
Sie verändern oft auch den Blick auf den eigenen Körper.
Nicht als Projekt, das „optimiert“ werden muss.
Sondern als System, das verstanden werden will.
Wenn Du Veränderungen an Haut oder Haaren bemerkst und Dir eine fundierte medizinische Einordnung wünschst, kann eine individuelle Beratung helfen, Klarheit zu gewinnen und passende Schritte zu finden.
Quellen
- Roster K, Fleshner L, Karatas TB, Ecanow A, Sayegh A, Farabi B, Marmon S.
Menopause and Common Dermatoses: A Systematic Review.
American Journal of Clinical Dermatology, 2025.









