Alltag und die Erschöpfung, über die kaum jemand spricht

Alltag und die Erschöpfung, über die kaum jemand spricht

Viele Frauen kommen mit derselben Frage zu uns. Und sie stellen sie leise. Fast entschuldigend.

„Was kann ich realistisch tun, damit es mir besser geht?“

Nicht:
Wie werde ich wieder die Alte.
Nicht:
Wie optimiere ich mich zurück in ein System, das mich gerade müde gemacht hat.

Sondern:
Wie komme ich durch diesen Tag, ohne mich selbst zu verlieren?

Und vielleicht kennst du das auch.
Du funktionierst noch. Du bist verlässlich. Du hältst zusammen.
Aber innen fühlt es sich an, als würde ständig jemand am Nervensystem ziehen.

Nicht laut.
Aber dauerhaft.


Wenn Erschöpfung kein individuelles Versagen ist

Wir leben in einer Gesellschaft, die Frauen beigebracht hat, Belastbarkeit mit Wert zu verwechseln.
Durchhalten gilt als Stärke. Pausen als Schwäche.
Und Selbstfürsorge wird schnell zur nächsten To-do-Liste.

Gerade in der Perimenopause wird das sichtbar.
Denn hier ändern sich nicht nur Hormone –
sondern auch die Grenzen dessen, was der Körper still kompensieren kann.

Viele Frauen sagen dann Sätze wie:

  • „Ich war doch immer belastbar.“
  • „Andere schaffen das doch auch.“
  • „Ich darf mich nicht so anstellen.“

Dabei ist die Wahrheit eine andere:
Dein Körper ist nicht kaputt.
Er arbeitet unter neuen biologischen Bedingungen.

Und das ist kein persönliches Scheitern.
Das ist Biologie in einer Gesellschaft, die dafür kaum Raum lässt.


Warum „einfach mal durchatmen“ oft nicht reicht

Ich sage es bewusst klar:
Die Perimenopause ist keine Phase, die man wegmeditiert.

Nicht, weil Achtsamkeit schlecht wäre.
Sondern weil dein Nervensystem gerade real mehr leisten muss –
bei weniger hormoneller Unterstützung.

Progesteron, das früher beruhigt hat, wird weniger.
Östrogen schwankt – manchmal zu viel, manchmal zu wenig.
Das Stresssystem reagiert schneller. Der Schlaf wird fragiler.

Und dann kommt noch der Alltag:
Arbeit. Care-Arbeit. Beziehung. Verantwortung.
Und das unausgesprochene Gefühl, immer noch alles im Griff haben zu müssen.

Burnout entsteht hier nicht aus Schwäche.
Sondern aus zu langem Funktionieren ohne Anpassung der Bedingungen.


Was wirklich hilft – ohne dein Leben umzubauen

Die ehrliche Antwort aus der Praxis ist oft ernüchternd und entlastend zugleich:
Es sind keine radikalen Programme.
Es ist kein neues Ich, das du erschaffen musst.

Es sind wenige, gut platzierte Hebel, die deinem System signalisieren:
Du bist sicher. Du darfst regulieren.

Zum Beispiel:

  • Tageslicht am Morgen
    Kein Biohack. Sondern ein starkes Signal für dein Stress- und Schlafsystem.
  • Regelmäßiges Essen mit ausreichend Protein
    Nicht aus Disziplin – sondern zum Schutz von Nerven, Muskeln und Blutzucker.
  • Krafttraining 2–3× pro Woche
    Nicht, um „fit zu bleiben“, sondern weil es hormonell wirkt.
  • Weniger Reizüberflutung am Abend
    Dein Nervensystem braucht nicht noch mehr Input – sondern Übergänge.
  • Stress anders dosieren
    Nicht wegatmen. Sondern anerkennen, begrenzen, neu verteilen.

Das klingt unspektakulär.
Und genau deshalb wirkt es.


Perimenopause ist keine Schwächephase

Sie ist eine Phase, in der der Körper ehrlich wird.
In der er nicht mehr alles abfedert, was lange zu viel war.

Vielleicht ist das unbequem.
Aber es ist auch eine Einladung.

Nicht zur Selbstoptimierung.
Sondern zu Selbstabstimmung.

Weniger: Was müsste ich noch schaffen?
Mehr: Was braucht mein System jetzt wirklich?


Und vielleicht diese Frage an dich

Wenn du gerade ehrlich hinschaust –
was fällt dir im Moment am schwersten?

Der Schlaf?
Die Energie?
Der Stress?
Oder dein Körpergefühl?

Du musst darauf keine perfekte Antwort haben.
Manchmal reicht es, die richtige Frage nicht mehr wegzuschieben.

In den nächsten Beiträgen teile ich Schritt für Schritt,
was Frauen im Alltag wirklich stärkt –
ohne Perfektionsdruck, ohne neue Ideale, ohne noch mehr Müssen.

Bis dahin:
Du darfst langsamer werden, ohne weniger wert zu sein.
Und du darfst durchatmen – nicht, um weiterzumachen,
sondern um bei dir zu bleiben.

💡
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Foto von Artem Beliaikin auf Unsplash

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