
Hypermenorrhoe – wenn die Periode zu stark wird
Eine sehr starke Menstruationsblutung ist kein persönliches Problem und kein Zeichen von „Empfindlichkeit“.
Hypermenorrhoe – also eine ungewöhnlich starke Monatsblutung, oft mit Blutklumpen – ist eine Form der abnormen uterinen Blutung und betrifft viele Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen.
Sie kann körperlich belastend sein, den Alltag einschränken und langfristig zu Eisenmangel oder Blutarmut führen. Wichtig ist: Starke Blutungen sind häufig behandelbar, sobald die Ursache bekannt ist.
Was genau bedeutet Hypermenorrhoe?
Von Hypermenorrhoe spricht man, wenn:
- die Blutungsmenge deutlich erhöht ist
- die Menstruation regelmäßig auftritt, aber zu stark verläuft
- häufig Blutklumpen mit abgehen
Medizinisch wird sie meist angenommen, wenn:
- mehr als 80 ml Blut pro Zyklus verloren gehen
- regelmäßig mehr als 6 vollgesättigte Tampons oder Binden pro Tag nötig sind
- die Blutung den Alltag, Schlaf oder die Arbeit beeinträchtigt
Verschiedene Formen von Blutungsstörungen
Nicht jede auffällige Blutung ist gleich. Zu den häufigsten Blutungsstörungen zählen:
- Hypermenorrhoe: regelmäßig, aber sehr stark
- Menorrhagie: verlängerte Blutung (länger als 7 Tage)
- Metrorrhagie: unregelmäßige Blutungen zwischen den Zyklen
- Menometrorrhagie: stark und unregelmäßig
- Oligomenorrhoe: seltene Blutungen
- Amenorrhoe: Ausbleiben der Periode
Die genaue Einordnung hilft, die Ursache gezielt zu finden.
Mögliche Ursachen einer Hypermenorrhoe
Hypermenorrhoe hat keine einzelne Ursache, sondern entsteht oft durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
Häufige Auslöser sind:
Hormonelle Veränderungen
- unausgeglichene Östrogen-Progesteron-Balance
- häufig in der Pubertät, Perimenopause oder nach Absetzen hormoneller Verhütung
Organische Veränderungen
- Myome (gutartige Muskelknoten der Gebärmutter)
- Polypen der Gebärmutterschleimhaut
- Adenomyose
Gerinnungsstörungen
- z. B. Von-Willebrand-Syndrom
- oft schon seit jungen Jahren bestehend
Weitere Faktoren
- bestimmte Medikamente (z. B. Gerinnungshemmer)
- Schilddrüsenerkrankungen
- chronische Entzündungen
Typische Symptome
Viele Frauen berichten über:
- sehr starke Blutung, oft mit Klumpen
- häufiges Wechseln von Tampons oder Binden
- nächtliches Durchbluten
- starke Erschöpfung
- Schwindel oder Kurzatmigkeit
- Symptome eines Eisenmangels (Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Haarausfall)
Spätestens wenn die Blutung den Alltag bestimmt, sollte sie medizinisch abgeklärt werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Abklärung erfolgt schrittweise und individuell. Dazu gehören meist:
- ausführliches Gespräch (Zyklus, Dauer, Stärke, Begleitsymptome)
- gynäkologische Untersuchung
- Ultraschall der Gebärmutter
- Blutuntersuchungen (z. B. Eisenstatus, ggf. Hormone, Gerinnung)
Ziel ist nicht nur, die Blutung zu stoppen, sondern die Ursache zu verstehen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach Ursache, Alter, Kinderwunsch und persönlicher Situation.
Mögliche Behandlungsansätze:
Medikamentös
- hormonelle Therapien (z. B. Gestagene, kombinierte Präparate)
- hormonhaltige Spirale
- nicht-hormonelle Medikamente zur Blutungsreduktion
Operativ (bei Bedarf)
- Entfernung von Polypen oder Myomen
- Endometriumablation
- in seltenen Fällen: Gebärmutterentfernung
Nicht jede starke Blutung erfordert einen Eingriff. Oft reicht eine gut abgestimmte, konservative Behandlung.
Warum frühe Abklärung wichtig ist
Unbehandelte Hypermenorrhoe kann zu:
- chronischem Eisenmangel
- Blutarmut
- Leistungseinbußen
- erheblicher Einschränkung der Lebensqualität
führen. Frühzeitig hingeschaut zu haben, ist kein „Überreagieren“, sondern Selbstfürsorge.
Zusammenfassung
Hypermenorrhoe ist eine häufige, aber ernstzunehmende Blutungsstörung.
Sie hat viele mögliche Ursachen – und ebenso viele Therapieoptionen.
Starke Blutungen sind kein Zustand, den man aushalten muss.
Eine individuelle medizinische Abklärung ist der Schlüssel, um Beschwerden zu lindern und langfristige Folgen zu vermeiden.
Wenn du den Eindruck hast, dass deine Blutung ungewöhnlich stark ist oder dich belastet, sprich mit einer gynäkologischen Fachperson. Du musst damit nicht allein bleiben.
Quellen
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