Endometriose hört nicht automatisch mit der Menopause auf

Endometriose hört nicht automatisch mit der Menopause auf

Warum „endlich Ruhe“ für viele Frauen nicht so einfach ist

„Wenn ich erst in den Wechseljahren bin, hört das endlich auf.“
Dieser Gedanke begleitet viele Frauen mit Endometriose über Jahre – manchmal Jahrzehnte.

Doch die Realität ist oft komplexer.

Denn auch wenn die Menopause das Ende des Zyklus markiert, bedeutet sie nicht automatisch das Ende der Endometriose. Für manche Frauen verändern sich die Beschwerden, für andere bleiben sie – und bei einigen treten neue Fragen auf. Besonders dann, wenn es um Hormonersatztherapie geht.


Was sich mit den Wechseljahren verändert – und was nicht

Endometriose ist eine östrogenabhängige Erkrankung. Deshalb liegt die Annahme nahe, dass sinkende Östrogenspiegel nach der Menopause zu einer deutlichen Besserung führen.

Und ja:
Bei vielen Frauen nehmen zyklische Schmerzen ab.

Aber:

  • Endometrioseherde können weiterhin aktiv sein
  • Narben, Verwachsungen und chronische Entzündungen bleiben bestehen
  • Beschwerden können sich verlagern oder neu zeigen

Studien zeigen, dass Endometriose auch postmenopausal fortbestehen oder sogar erstmals diagnostiziert werden kann – insbesondere bei Frauen mit früher schwerer Erkrankung oder unter exogener Hormonzufuhr.


Warum es in der Perimenopause oft schwieriger wird

Die Perimenopause ist hormonell keine Abwärtsbewegung in Zeitlupe – sondern eine Phase starker Schwankungen. Genau diese Schwankungen können Endometriosebeschwerden zunächst verstärken.

Typisch berichten Frauen über:

  • diffuse, nicht mehr klar zyklische Schmerzen
  • Zunahme von Entzündungsgefühlen
  • Blasen- oder Darmbeschwerden
  • Erschöpfung, die schwer einzuordnen ist

Gleichzeitig können Behandlungen, die gegen Wechseljahresbeschwerden helfen sollen, selbst neue Symptome triggern.


Endometriose nach der Menopause: Narben erinnern sich

Ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird:
Endometriose ist nicht nur Hormonwirkung.

Auch wenn Herde inaktiv werden, bleiben:

  • Fibrosen und Verwachsungen
  • veränderte Nervenstrukturen
  • ein sensibilisiertes Schmerzsystem

Deshalb können Schmerzen:

  • bestehen bleiben
  • sich von zyklisch zu chronisch verändern
  • hormonunabhängiger werden

Das erklärt, warum manche Frauen auch nach der Menopause weiterhin Beschwerden haben – selbst ohne messbare Hormonaktivität.


Die große Frage: Ist Hormonersatztherapie bei Endometriose sicher?

Kurz gesagt: Es kommt darauf an.

Die internationale Datenlage zeigt:

  • Reine Östrogentherapien können das Risiko einer Reaktivierung erhöhen
  • Kombinierte Therapien (Östrogen + Gestagen) gelten als sicherer
  • Lokale Therapien müssen individuell bewertet werden

Leitlinien empfehlen bei bekannter Endometriose:

  • keine unkritische Östrogen-Monotherapie
  • sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung
  • regelmäßige Verlaufskontrollen

Das bedeutet nicht, dass HRT ausgeschlossen ist.
Aber sie braucht Erfahrung, Individualisierung und Nachbeobachtung.


Warum diese Phase oft emotional herausfordernd ist

Viele Frauen erleben die Wechseljahre als einen Moment der Hoffnung:
„Jetzt darf es leichter werden.“

Wenn dann Symptome bleiben oder sich verändern, entsteht oft:

  • Verunsicherung
  • Frustration
  • das Gefühl, vom eigenen Körper „betrogen“ zu werden

Wichtig ist:
Das ist kein persönliches Scheitern – sondern Ausdruck einer komplexen Erkrankung, die sich nicht strikt an Lebensphasen hält.


Was jetzt helfen kann

Eine gute Begleitung in dieser Phase berücksichtigt:

  • deine Endometriose-Vorgeschichte
  • aktuelle Beschwerden (nicht nur Hitzewallungen)
  • Alternativen zur systemischen HRT
  • Schmerz- und Entzündungsmanagement
  • Darm- und Blasenbeteiligung
  • psychische Belastung

Vor allem aber:
Ernst genommen zu werden.


Fazit

Endometriose endet nicht automatisch mit der Menopause.
Für viele Frauen verändert sie ihr Gesicht – manchmal leiser, manchmal hartnäckiger.

Die gute Nachricht:
Mit informierter Begleitung, individueller Therapieentscheidung und realistischen Erwartungen lässt sich auch diese Phase gestalten, statt sie nur auszuhalten.

💡
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Wissenschaftliche Quellen (klickbar)

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