
Der Zyklus und wir – Ein Selbstversuch
Warum wir über Zyklusbeschwerden endlich offen sprechen müssen
Vielleicht kennst du das: Einmal im Monat verändert sich alles. Die Stimmung schwankt, der Körper fühlt sich schwer an, und Konzentration wird zur Herausforderung. Für viele von uns gehört das zum Alltag – und doch sprechen wir selten darüber. Zyklusbedingte Beschwerden sind weit verbreitet, werden aber gesellschaftlich und wissenschaftlich häufig unterrepräsentiert.
Ein Selbstversuch?
Viele frei verkäufliche Präparate versprechen Linderung von PMS-Symptomen, doch ihre Wirksamkeit ist oft unzureichend belegt. Gleichzeitig fehlt es an systematischer Erfassung dessen, was wir wirklich erleben.
Dieser Artikel beschreibt einen nicht-repräsentativen Selbstversuch – eine Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe. Das Ziel ist keine evidenzbasierte Wirksamkeitsprüfung, sondern eine strukturierte Symptomerfassung mit explorativem Charakter. Es geht darum, Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu verstehen und vor allem: das eigene Erleben ernst zu nehmen.
Das Studiendesign
Die Studie erstreckte sich über drei Menstruationszyklen pro Teilnehmerin:
Jede Teilnehmerin nahm ein anderes Präparat ein – von Magnesium, bis hin zu speziellen Nahrungsergänzungsmitteln. Die Symptome wurden über den gesamten Zyklus hinweg erfasst, basierend auf der Premenstrual Syndrome Scale (PMSS). Zusätzlich dokumentierten wir:
- Blutungsdauer und -intensität
- Stimmungsveränderungen
- Körperliche Beschwerden
- Schlafqualität und Energielevel
Was wir herausfanden
Der Vergleich zwischen Zyklus 1 (ohne Präparat) und den Zyklen 2 & 3 (mit Präparat) zeigte interessante Muster. Viele Teilnehmerinnen berichteten von subjektiver Symptomlinderung – vor allem bei Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen.
Besonders wertvoll war jedoch etwas anderes: Die systematische Dokumentation half dabei, bisher unbewusste Zusammenhänge zu erkennen. „Ich habe nie bewusst wahrgenommen, wie stark meine Konzentration in der zweiten Zyklushälfte nachlässt“, berichtete eine Teilnehmerin. „Das Tracking hat mir geholfen, meinen Alltag besser zu planen.“
Wissenschaftliche Einordnung
Es ist wichtig, die Grenzen dieses Selbstversuchs klar zu benennen:
- Keine statistische Aussagekraft
- Keine Generalisierbarkeit auf andere Frauen
- Keine Kausalitätsnachweise
Der Erkenntnisgewinn ist limitiert, aber potenziell hypothesengenerierend. Das bedeutet: Wir können keine allgemeingültigen Empfehlungen ableiten, aber wir können Fragen aufwerfen, die weitere Forschung anregen.
Warum das wichtig ist
Zyklusbeschwerden verursachen realen Leidensdruck. Auch wenn sie keine Krankheit darstellen, sind sie ein legitimes Thema für Forschung, Sichtbarkeit und Versorgung. Systematische Dokumentation ist ein erster Schritt, um Beschwerden ernst zu nehmen und künftig besser zu untersuchen.
Für jede von uns, die monatlich mit diesen Symptomen lebt, ist das keine abstrakte Forschungsfrage – es ist Alltagsrealität. Und diese Realität verdient es, gehört und ernst genommen zu werden.
Quellen | Sources
Wissenschaftliche Grundlagen
1. Halbreich, U. (2004). The diagnosis of premenstrual syndromes and premenstrual dysphoric disorder – clinical procedures and research perspectives. Gynecological Endocrinology, 19(6), 320-334.
2. Dennerstein, L., Lehert, P., & Heinemann, K. (2011). Global study of women's experiences of premenstrual symptoms and their effects on daily life. Menopause International, 17(3), 88-95.
3. Moos, R. H. (1968). The development of a menstrual distress questionnaire. Psychosomatic Medicine, 30(6), 853-867. (PMSS-Original)
Nahrungsergänzungsmittel & Präparate
4. Whelan, A. M., Jurgens, T. M., & Naylor, H. (2009). Herbs, vitamins and minerals in the treatment of premenstrual syndrome: a systematic review. Canadian Journal of Clinical Pharmacology, 16(3), e407-e429.
5. Dante, G., & Facchinetti, F. (2011). Herbal treatments for alleviating premenstrual symptoms: a systematic review. Journal of Psychosomatic Obstetrics & Gynecology, 32(1), 42-51.
6. Parazzini, F., Di Martino, M., Pellegrino, P. (2017). Magnesium in the gynecological practice: a literature review. Magnesium Research, 30(1), 1-7.
Methodik
7. Chesney, M. A., & Tasto, D. L. (1975). The development of the Menstrual Symptom Questionnaire. Behaviour Research and Therapy, 13(4), 237-244.
8. Endicott, J., Nee, J., & Harrison, W. (2006). Daily Record of Severity of Problems (DRSP): reliability and validity. Archives of Women's Mental Health, 9(1), 41-49.
Weiterführende Ressourcen
9. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). (2017). Leitlinie: Prämenstruelles Syndrom und prämenstruelle dysphorische Störung.
10. World Health Organization (WHO). (2021). International Classification of Diseases 11th Revision (ICD-11). Kapitel 17: GA34.41 Prämenstruelle dysphorische Störung.









