
2030: Jede vierte Frau weltweit wird in der Menopause sein – sind wir bereit?
Die Zahlen sind eindeutig: Bis 2030 wird jede vierte Frau weltweit in der Menopause oder bereits postmenopausal sein.¹ Das betrifft nicht nur die Einzelne – es hat tiefgreifende Auswirkungen auf unser Gesundheitswesen, die Arbeitswelt und unsere Gesellschaft insgesamt. Die Frage ist: Sind wir darauf vorbereitet?
Was das konkret bedeutet
Wir sprechen von über einer Milliarde Frauen weltweit – gleichzeitig, in derselben Lebensphase. Frauen, die mitten im Berufsleben stehen, Familien tragen, Unternehmen führen, Gesellschaft gestalten. Und die dabei oft mit Symptomen kämpfen, die kaum jemand ernst nimmt: Schlafstörungen, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen.
Nicht weil die Beschwerden nicht real wären. Sondern weil das Thema noch immer eines ist, über das zu wenig geredet wird – in Arztpraxen, in Unternehmen, in der Öffentlichkeit.
Gesundheitsversorgung: Prävention ist keine Option, sondern Notwendigkeit
Frauen in und nach den Wechseljahren haben spezifische gesundheitliche Bedürfnisse, die bisher im Versorgungssystem zu wenig abgebildet sind. Erkrankungen wie Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen – die in dieser Lebensphase deutlich häufiger auftreten – müssen früh erkannt und behandelt werden.²
Was dafür gebraucht wird: flächendeckende Aufklärung, präventive Angebote und ein einfacher Zugang zu Therapien – ob hormonell, medizinisch oder psychologisch. Das sind keine Luxusleistungen. Es ist grundlegende Gesundheitsversorgung für eine Bevölkerungsgruppe, die lange übersehen wurde.
Arbeitswelt im Wandel: Eine Frage der Chancengleichheit
Die Wechseljahre fallen in die beruflich aktivsten Jahre vieler Frauen – oft genau dann, wenn Führungspositionen, Gehaltsverhandlungen und berufliche Sichtbarkeit am wichtigsten sind. Trotzdem fehlen in den meisten Unternehmen Strukturen, die diese Phase unterstützen.
Flexible Arbeitszeiten, ergonomische Arbeitsplätze, betriebliche Gesundheitsprogramme und ein offener Umgang mit Symptomen wie Schlafstörungen, Hitzewallungen oder Erschöpfung – das ist kein „nice to have". Es ist eine Frage der Chancengleichheit.
Studien zeigen, dass Frauen in dieser Phase überproportional häufig ihre Arbeitszeit reduzieren oder Karriereschritte zurückstellen – nicht weil sie es wollen, sondern weil sie keine andere Möglichkeit sehen.³ Das ist ein gesellschaftlicher Verlust, der sich vermeiden lässt.
Aufklärung & Sichtbarkeit: Das Schweigen beenden
Solange die Menopause ein Tabuthema bleibt, bleiben Frauen allein damit. Viele erkennen ihre eigenen Symptome nicht – weil niemand ihnen je erklärt hat, was in dieser Lebensphase passiert. Andere trauen sich nicht, darüber zu sprechen – in der Arztpraxis, am Arbeitsplatz, im eigenen Umfeld.
Was gebraucht wird, ist eine echte Bildungsoffensive: in Schulen, in Unternehmen, in den Medien. Je mehr Menschen über die Menopause wissen, desto besser können sie unterstützen – als Kolleginnen und Kollegen, als Partner, als Führungskräfte. Und vor allem: als Frauen füreinander.
Eine menopausenfreundliche Zukunft ist möglich
Die Menopause ist keine Krankheit. Sie ist eine biologische Phase – mit Herausforderungen, aber auch mit Potenzial. Frauen, die gut begleitet werden, die Zugang zu Therapien haben und deren Arbeitgeber das Thema ernst nehmen, berichten häufiger von Stabilität, Klarheit und einem neuen Gefühl der Selbstbestimmung in dieser Lebensphase.⁴
Das ist keine Utopie. Es ist eine Frage der richtigen Rahmenbedingungen – medizinisch, gesellschaftlich, strukturell. Und es beginnt damit, das Thema aus der Stille zu holen.
Quellen
¹ World Health Organization (2022). Menopause. Fact Sheet. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/menopause
² Baber RJ, Panay N, Fenton A; IMS Writing Group (2016). 2016 IMS Recommendations on women's midlife health and menopause hormone therapy. Climacteric, 19(2), 109–150. https://doi.org/10.3109/13697137.2015.1129166
³ Griffiths A et al. (2013). Menopause and work: An electronic survey of employees' attitudes in the UK. Maturitas, 76(2), 155–159. https://doi.org/10.1016/j.maturitas.2013.07.005
⁴ The NAMS 2022 Hormone Therapy Position Statement Advisory Panel. The 2022 hormone therapy position statement of The Menopause Society. Menopause, 29(7), 767–794. https://doi.org/10.1097/GME.0000000000002028
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt deines Vertrauens.









