
Zyklus & Perimenopause – Interview mit Dr. Fischbach
Du bist Mitte 40. Deine Periode kommt mal zu früh, mal zu spät. Du schläfst schlecht, bist gereizt, vergisst Dinge. Deine Frauenärztin sagt: „Du bist noch zu jung für die Wechseljahre."
Und du denkst: Aber warum fühlt sich dann alles so anders an?

Dr. Manuela Fischbach, Fachärztin für Gynäkologie und beratende Ärztin bei hermaid, hört solche Geschichten täglich. Wir haben sie gefragt: Was passiert wirklich in diesen Jahren – und warum bleiben so viele Frauen ohne echte Begleitung?
„Symptome sind keine Launen der Natur"
hermaid: Dr. Fischbach, viele Frauen kommen mit Zyklusstörungen, PMS, PCOS oder Endometriose. Wo fängt man bei so vielen Beschwerden überhaupt an?
Dr. Fischbach: Am Anfang steht immer die gleiche Frage: Was erzählt dein Körper gerade wirklich?
Zyklusstörungen, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme oder ausbleibende Eisprünge sind keine Launen der Natur. Es sind Signale. Und sie verdienen Aufmerksamkeit – nicht Ablenkung, nicht „Das ist normal" und schon gar kein „Da müssen Sie durch."
Viele Frauen haben eine lange Odyssee hinter sich, wenn sie zu uns kommen. Sie hören: „Nehmen Sie doch einfach die Pille." Oder: „Das gehört eben dazu." Das Problem ist: Symptome werden oft isoliert betrachtet. Und genau deshalb bleiben Zusammenhänge verborgen.
Was die Perimenopause wirklich ist – und wann sie beginnt
hermaid: Ein Thema, über das viele nicht sprechen, ist die Perimenopause. Wie verändert sie den Zyklus?
Dr. Fischbach: Die Perimenopause ist eine Übergangsphase – kein Ein- und Ausschalter. Sie beginnt oft früher, als viele denken: zwischen 37 und 45 Jahren.
In dieser Zeit passiert Folgendes: Der Eisprung findet nicht mehr in jedem Zyklus statt. Progesteron sinkt als erstes. Östrogen schwankt stark – manchmal zu hoch, manchmal zu niedrig. Der Zyklus wird unberechenbar.
Typische Veränderungen sind Zyklen unter 21 Tagen, Zwischenblutungen, stärkere Blutungen, verlängerte Zyklen über 40 Tage – manchmal sogar zwei Perioden im Monat.
Diese Phase kann mehrere Jahre dauern, bevor die Periode ganz ausbleibt. Laut der großen SWAN-Studie erleben über 90 % aller Frauen zwischen 35 und 45 Jahren Zyklusveränderungen.¹ Nur spricht kaum jemand darüber.
Abwarten ist kein Plan
hermaid: Müssen Frauen etwas tun – oder einfach abwarten?
Dr. Fischbach: Abwarten ist kein guter Plan. Beobachten schon.
Nicht jede Zyklusveränderung ist gefährlich – aber jede ist ein Hinweis. Starke Blutungen, Schmerzen oder plötzlich unregelmäßige Zyklen gehören abgeklärt.
Bei hermaid arbeiten wir deshalb strukturiert: Zyklus-Tracking, ausführliche Anamnese, Blick auf Ernährung, Stress, Schlaf und Stoffwechsel, bei Bedarf Laborwerte und – wenn sinnvoll – Hormontherapie.
Viele merken schon nach kurzer Zeit, dass ihr Zyklus wieder berechenbarer wird, Symptome sich bessern und eine neue Form von Körperkompetenz entsteht.
Diese Signale solltest du ernst nehmen
hermaid: Gibt es Symptome, bei denen Sie sofort hellhörig werden?
Dr. Fischbach: Ja – und mehr, als viele denken.
Blutungen, die so stark sind, dass Frauen ihr Leben darum planen. Schmerzen, die regelmäßig Termine verhindern. Ausgeprägtes PMS. Starker Brainfog. Stimmungseinbrüche. Perioden, die plötzlich kürzer oder länger werden. Kinderwunsch, der trotz Bemühungen nicht vorankommt.
Das alles ist nicht „normal". Es ist ein Zeichen, dass der Körper Unterstützung braucht.²³
„Wechseljahre werden erst ernst genommen, wenn die Periode wegbleibt"
hermaid: Viele Frauen fühlen sich im System nicht ernst genommen. Warum?
Dr. Fischbach: Weil unser Versorgungssystem nicht für Frauenkörper gemacht ist. Zyklusstörungen gelten häufig als „normal", PMS als „Laune", Schmerzen als „Schicksal".
Dazu kommt: Die Wechseljahre werden erst ernst genommen, wenn die Periode wegbleibt – doch das ist der letzte Schritt. Die eigentliche Umstellung beginnt Jahre vorher. Frauen sitzen dann zwischen den Stühlen: zu jung für die Menopause, aber zu alt für einen „normalen Zyklus".
Genau deshalb entstehen Lücken. Und genau hier braucht es Begleitung.
Bei hermaid wollen wir diese Lücke schließen.
Was Frauen in der Begleitung bei hermaid erleben
hermaid: Was erzählen Frauen, nachdem sie begleitet wurden?
Dr. Fischbach: Dass sie sich zum ersten Mal verstanden fühlen.
Ich höre Sätze wie: „Meine Endometriose-Schmerzen sind das erste Mal im Leben weg." Oder: „Meine Periode kam nach Absetzen der Pille endlich wieder." Oder: „Ich fühle mich wieder wohl in meinem Körper – und kann planen."
Es geht nicht nur um Hormone. Es geht um Selbstwirksamkeit, Würde und Lebensqualität.
Was Dr. Fischbach jeder Frau mitgeben möchte
hermaid: Was möchten Sie Frauen mit Zyklus- oder Wechseljahresbeschwerden unbedingt sagen?
Dr. Fischbach: Dass sie nicht warten müssen, bis etwas „schlimm genug" ist.
Dass sie das Recht haben, ernst genommen zu werden.
Dass sie ihren Körper verstehen dürfen – und verändern können.
Und dass ein unregelmäßiger Zyklus kein persönliches Versagen ist. Es ist ein Signal. Und Signale kann man lesen.
Quellen
Quellen
¹ SWAN Study (Study of Women's Health Across the Nation). 2021. https://www.swanstudy.org
² Prior JC. Perimenopause: The Ovulatory Transition. Endocrine Reviews. 2015. https://doi.org/10.1210/er.2014-1073
³ DGGG-Leitlinie „Blutungsstörungen in der Perimenopause". 2020. https://www.awmf.org
⁴ NAMS (North American Menopause Society). Menopause Practice Guidelines. 2022. https://www.menopause.org
⁵ NICE Guidelines UK. Heavy menstrual bleeding: assessment and management. 2021. https://www.nice.org.uk/guidance/ng88









