Warum 2 von 3 Frauen jeden Monat zu Schmerzmitteln greifen – und was der Körper wirklich sagt

Warum 2 von 3 Frauen jeden Monat zu Schmerzmitteln greifen – und was der Körper wirklich sagt

Zwei von drei Frauen greifen während ihrer Periode zu Schmerzmitteln. Das klingt nach einer Randnotiz – ist es aber nicht. Es ist eine Zahl, die etwas über unsere Beziehung zu unserem Körper erzählt. Und darüber, wie wir gelernt haben, Schmerzen zu managen, statt sie zu verstehen.

Laut einer aktuellen Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes nehmen 28 % der betroffenen Frauen in jedem Zyklus Schmerzmittel. Weitere 19 % greifen regelmäßig zu ihnen. 67 % der Frauen berichten, dass sie trotz Schmerzen den Druck verspüren, im Alltag genauso zu funktionieren wie sonst. Und jede fünfte Frau musste sich im letzten Jahr wegen Regelschmerzen krankmelden.¹

Das sind keine persönlichen Schwächen. Das ist ein kollektives Muster.


Schmerzmittel oder Ursache? Eine ehrliche Frage

Schmerzmittel können kurzfristig helfen. Aber sie beantworten nicht die Frage, warum der Schmerz da ist.

Manchmal fehlt es dem Körper nicht an Ibuprofen – sondern an einem bestimmten Mikronährstoff, an Schlaf, an einer anderen Ernährung in der zweiten Zyklushälfte, an weniger Stress oder an einem Hormongleichgewicht, das aus dem Takt geraten ist.

Der Zyklus ist kein Feind. Er ist ein Kommunikationssystem. Und starke Schmerzen, extremes PMS oder vollständiger Energieverlust in der zweiten Hälfte des Zyklus sind Signale – keine Normalität.

Warum würden Frauen so gebaut sein, dass sie bis zu 14 Tage im Monat leiden? Das macht biologisch keinen Sinn.


Was die Daten aus der Praxis zeigen

Wir haben in der hermaid App anonym ausgewertet, womit Frauen in unserem allerersten Kurskapitel – dem Menstruationszyklus – am häufigsten kämpfen.

Die Antworten waren ehrlich, kraftvoll und leider wenig überraschend. Die häufigsten Herausforderungen:

  • Körperliche Schmerzen: Krämpfe, Migräne, Blähungen
  • PMS: emotionale Tiefs, Angst, Brainfog
  • Energieverlust: besonders in der zweiten Zyklushälfte

Ein klares Muster. Und ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir gelernt haben, unseren natürlichen Zyklus zu fürchten – weil er sich schmerzhaft, störend und einschränkend anfühlt.

Studien zeigen, dass 80 % der Frauen Produktivitätsverluste erleben, die mit ihrem Zyklus zusammenhängen.² Das ist keine individuelle Schwäche. Das ist das Ergebnis von Jahren, in denen Körpersignale ignoriert, weggeschluckt und medikamentiert wurden – statt gehört zu werden.


Was Regelschmerzen wirklich bedeuten

Starke Regelschmerzen sind häufig. Aber häufig bedeutet nicht normal.

Schmerzhafte Zyklen können ein Spiegel sein – ein Zeichen, dass der Körper Aufmerksamkeit braucht. Das kann bedeuten: die Ernährung in der zweiten Zyklushälfte anzupassen, Bewegung dem Zyklusrhythmus anzupassen, Stressregulation aktiv anzugehen, Grenzen klarer zu ziehen, oder Mikronährstoffmangel zu erkennen und zu beheben.

Es geht nicht darum, gegen den Körper zu kämpfen. Es geht darum, neu zu lernen, ihm zuzuhören.


Die gute Nachricht: Zykluswissen verändert alles

Was wir in der Arbeit mit Frauen immer wieder beobachten: Je mehr Frauen über ihren Zyklus wissen, desto besser fühlt er sich an.

Zykluswissen führt zu einem ruhigeren Zyklus. Ein ruhigerer Zyklus bringt mehr Energie und mehr Lebensfreude. Das klingt simpel – aber es ist eine tiefgreifende Veränderung.

Wissen ist hier tatsächlich Macht. Nicht das Wissen aus einer Beipackzettel-Logik, sondern das gelebte Verstehen des eigenen Körpers: Wann brauche ich mehr Ruhe? Wann bin ich auf dem Höhepunkt meiner Energie? Was hilft mir in der Lutealphase – und was schadet mir?


Von privatem Leiden zu gemeinsamer Stärke

Menstruationsgesundheit ist noch immer ein Thema, das viele Frauen alleine tragen. In Stille, zwischen Schreibtisch und Schmerztablette.

Das muss sich ändern. Nicht nur in der Medizin, sondern auch in Unternehmen, in Teams, in Familien. Menstruationsgesundheit am Arbeitsplatz anzusprechen ist kein Tabubruch – es ist Fürsorge. Und Fürsorge beginnt damit, das Gespräch zu eröffnen.

Eine Reflexionsfrage für dich: Wird in deinem Umfeld – Arbeitsplatz, Familie, Freundeskreis – über Menstruationsgesundheit gesprochen? Wenn ja: wie? Ernsthaft, unterstützend, beiläufig, oder gar nicht? Und wenn nicht: Was bräuchte es, damit sich das ändert?

Gespräche beginnen klein. Aber sie haben eine Wirkung, die weit über den Moment hinausgeht.


Du musst das nicht alleine herausfinden.

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Quellen

¹ Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes (2024). Regelschmerzen und Alltag – Ergebnisse einer repräsentativen Befragung. https://www.aok.de

² Schoep ME et al. Productivity loss due to menstruation-related symptoms: a nationwide cross-sectional survey among 32,748 women. BMJ Open, 2019. https://bmjopen.bmj.com/content/9/6/e026186

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