
Selbstfürsorge: Kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit
Im turbulenten Alltag zwischen Arbeit, Familie und Verpflichtungen bleibt Selbstfürsorge oft auf der Strecke.
Viele Frauen wissen, dass sie gut für sich sorgen sollten – und fühlen sich gleichzeitig schuldig, wenn sie es tun.
Dabei ist Selbstfürsorge kein Egoismus.
Sie ist die Basis für körperliche Stabilität, mentale Klarheit und langfristige Leistungsfähigkeit.
Gerade in der Lebensmitte ist sie keine Option mehr, sondern eine biologisch notwendige Anpassung.
Warum Selbstfürsorge in der Lebensmitte besonders wichtig wird
In der Peri- und Postmenopause verändert sich weit mehr als nur der Zyklus.
Sinkende Östrogen- und Progesteronspiegel beeinflussen:
- das Stresssystem (Cortisol reagiert stärker)
- den Schlaf-Wach-Rhythmus (weniger Melatonin, mehr nächtliches Aufwachen)
- den Energiestoffwechsel
- die Muskelmasse
- die Regulationsfähigkeit des Nervensystems
Was bedeutet das im Alltag?
Viele Frauen erleben:
- schnellere Erschöpfung
- stärkere Stressreaktionen bei gleichen Anforderungen
- schlechtere Regeneration
- mehr innere Unruhe
Das ist kein persönliches Versagen.
Es ist Physiologie.
Der Körper braucht in dieser Phase mehr Schutz, mehr Pausen und klarere Grenzen, um stabil zu bleiben.
Funktionieren ist kein Gesundheitsziel
„Ich muss einfach weitermachen“ ist ein häufiger innerer Satz.
Doch medizinisch betrachtet ist Dauerfunktionieren ein Risikozustand.
Chronisch erhöhter Stress führt unter anderem zu:
- erhöhtem Entzündungsniveau
- Insulinresistenz
- Muskelabbau
- schlechterem Schlaf
- höherer Verletzlichkeit für Angst und depressive Verstimmungen
Selbstfürsorge bedeutet hier nicht, weniger ambitioniert zu sein.
Sondern die Bedingungen zu schaffen, unter denen der Körper überhaupt leistungsfähig bleiben kann.
Kleine Auszeiten mit großer Wirkung – biologisch erklärt
Selbst kurze Pausen können messbare Effekte haben.
Ein paar tiefe Atemzüge am offenen Fenster, ein kurzer Spaziergang oder eine Tasse Tee in Ruhe:
- aktivieren den Parasympathikus
- senken die Cortisolausschüttung
- helfen dem Nervensystem, aus dem Alarmzustand zurückzufinden
Das sind keine „netten Extras“, sondern neurobiologische Reset-Momente.
Regelmäßige Mini-Auszeiten wirken nachhaltiger als seltene große Erholungsphasen.
Delegieren und Loslassen: Entlastung für Körper und Nervensystem
Viele Frauen tragen mental und organisatorisch mehr, als sichtbar ist.
Diese sogenannte Mental Load ist ein realer Stressfaktor.
Aufgaben abzugeben:
- reduziert Daueranspannung
- senkt Stresshormone
- stärkt soziale Verbundenheit
Delegieren ist kein Kontrollverlust.
Es ist Stressprävention.
Prioritäten setzen – und Perfektionismus loslassen
Nicht alles ist gleich wichtig.
Und nicht alles muss perfekt sein.
Perfektionismus hält das Stresssystem dauerhaft aktiv.
„70 % reichen“ ist kein Aufgeben – es ist Regulation.
Zu fragen:
- Was ist heute wirklich nötig?
- Was darf warten?
spart Energie, die dein Körper dringend für Regeneration braucht.
Zeit für deine Leidenschaften: Nahrung fürs Nervensystem
Hobbys und Interessen sind keine Spielerei.
Sie aktivieren andere neuronale Netzwerke als Pflicht und Verantwortung.
Yoga, Lesen, Malen, Musik oder Treffen mit Freund:innen:
- erhöhen Dopamin und Serotonin
- wirken stressdämpfend
- stärken Resilienz
Diese Zeiten laden nicht nur emotional auf – sie wirken direkt auf das Nervensystem.
Gesunde Routinen als Anker
Ein stabiler Lebensstil ist das Fundament von Selbstfürsorge:
- Schlaf: Dunkelheit, Regelmäßigkeit, Schutz vor Dauererreichbarkeit
- Bewegung: Besonders Krafttraining zum Erhalt von Muskel- und Knochensubstanz
- Ernährung: Ausreichend Protein, Ballaststoffe, Mikronährstoffe
Gerade Ballaststoffe sind häufig unterschätzt:
Sie beeinflussen Blutzucker, Darmmikrobiom, Entzündungsprozesse – und indirekt auch den Hormonstoffwechsel.
Schon kleine Veränderungen können hier große Effekte haben.
Akzeptanz: „Ich bin wertvoll – genau so, wie ich bin“
Selbstfürsorge beginnt nicht mit To-do-Listen, sondern mit Haltung.
Akzeptanz bedeutet:
- den eigenen Wert nicht an Leistung zu knüpfen
- Signale des Körpers ernst zu nehmen
- sich nicht ständig zu optimieren
Das entlastet mental – und wirkt stabilisierend auf das Nervensystem.
Weitere unterstützende Impulse
- Dankbarkeitstagebuch:
Drei Dinge am Abend lenken den Fokus weg von Mangel und Stress. - Achtsamkeit:
Präsenz im Hier und Jetzt senkt die Stressreaktion. - Die Sinne anregen:
Düfte, Gewürze, angenehme Texturen wirken direkt auf das limbische System. - Nein sagen:
Grenzen schützen Energie – physiologisch wie emotional. - Vorbilder suchen:
Menschen, die gut für sich sorgen, verändern auch unsere inneren Maßstäbe. - Professionelle Hilfe:
Unterstützung anzunehmen ist Stärke, nicht Schwäche.
Fazit
Selbstfürsorge ist kein Egoismus.
Sie ist eine Investition in Gesundheit, Stabilität und Lebensqualität.
Gerade in der Lebensmitte braucht der Körper andere Rahmenbedingungen als früher.
Wer diese anerkennt, wird nicht schwächer – sondern widerstandsfähiger.
Und das Wichtigste:
Du musst nicht alles auf einmal ändern.
Schon kleine, bewusste Schritte können eine große Wirkung entfalten.
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Quellen
Foto von Brandy Kennedy auf Unsplash









