Eisen, Ferritin und Schilddrüse: Was Frauen ab 40 wissen sollten

Eisen, Ferritin und Schilddrüse: Was Frauen ab 40 wissen sollten

Viele Frauen lassen regelmäßig ihre Schilddrüsenwerte kontrollieren – TSH, fT3, fT4. Das ist sinnvoll und richtig. Was dabei jedoch häufig übersehen wird: der Ferritinwert. Also der Speicherwert für Eisen.

Gerade bei Frauen ab 40 kann ein zu niedriger Ferritinspiegel die Schilddrüse und das allgemeine Wohlbefinden erheblich beeinflussen – und dabei völlig unentdeckt bleiben.


Was Ferritin ist – und warum es nicht dasselbe ist wie Eisen

Ferritin ist das Protein, das Eisen in unserem Körper speichert. Der Ferritinwert im Blut zeigt also, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind – nicht, wie viel Eisen gerade im Blut zirkuliert. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Der übliche Referenzbereich liegt je nach Labor bei 30–300 ng/ml. Für Frauen werden Werte über 50–70 ng/ml häufig als ausreichend angesehen. Viele Expertinnen empfehlen jedoch, bei Frauen mit Beschwerden einen Wert von über 70–100 ng/ml anzustreben – denn der Laborwert „noch im Normbereich" und das tatsächliche Wohlbefinden liegen hier oft weit auseinander.


Warum die Schilddrüse Eisen braucht

Die Schilddrüse produziert die Hormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Damit dieser Prozess reibungslos abläuft, braucht der Körper Eisen – und zwar an zwei entscheidenden Stellen.

Erstens ist Eisen wichtig für das Enzym Thyroid-Peroxidase (TPO), das an der Produktion der Schilddrüsenhormone direkt beteiligt ist. Zweitens kann auch die Umwandlung von T4 in das biologisch aktive T3 durch Eisenmangel beeinträchtigt sein.

Studien zeigen: Frauen mit niedrigen Ferritinwerten haben häufiger eine eingeschränkte Schilddrüsenfunktion oder Symptome, die typisch für eine Unterfunktion sind – selbst wenn die TSH-Werte noch im Normbereich liegen.¹

Das bedeutet: Wer nur die Schilddrüsenwerte checkt, sieht möglicherweise nicht das vollständige Bild.


Eisen und die Psyche: Energie, Stimmung, Konzentration

Eisen ist nicht nur für die Schilddrüse wichtig. Es spielt auch eine zentrale Rolle bei der Bildung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin – also den Botenstoffen für Energie, Motivation und Stimmung.

Ein niedriger Ferritinspiegel kann sich bemerkbar machen als anhaltende Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf, Konzentrationsprobleme und Brainfog, Antriebslosigkeit und niedergeschlagene Stimmung sowie Haarausfall.

Einige Studien finden einen Zusammenhang zwischen niedrigen Ferritinwerten und einem höheren Risiko für Depressionen und Angststörungen.²³ Wichtig dabei: Es handelt sich meist um Korrelationen, keine klar bewiesene Ursache-Wirkung-Beziehung. Aber der Hinweis ist stark genug, um ihn ernst zu nehmen – besonders wenn Beschwerden bestehen und andere Ursachen ausgeschlossen sind.


Welche Werte sind optimal?

Hier gibt es keine Einheitslösung – aber einige Orientierungspunkte:

Werte unter 30 ng/ml gelten meist als Hinweis auf leere Eisenspeicher. Viele Ärztinnen halten 50–70 ng/ml für ausreichend. Manche Expertinnen empfehlen für Frauen mit Symptomen einen Zielwert von über 70–100 ng/ml.

Ein wichtiger Hinweis: Zu hohe Ferritinwerte können ebenfalls gesundheitlich problematisch sein – zum Beispiel bei einer Hämochromatose (erbliche Eisenspeicherkrankheit). Deshalb gilt auch hier: nicht einfach auf eigene Faust supplementieren, sondern den Wert ärztlich einordnen lassen.


Wie oft testen – und womit kombinieren?

Ferritin einmal im Jahr zu messen, kann sinnvoll sein – besonders wenn Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Haarausfall bestehen. Optimal ist die Kombination mit Schilddrüsenwerten (TSH, fT3, fT4), damit beide Systeme gemeinsam bewertet werden können.

Mein Tipp: Lass beim nächsten Blutcheck Ferritin einfach mit bestimmen. Es ist eine kleine Ergänzung – mit potenziell großer Aussagekraft.


Das Wichtigste auf einen Blick

Eisenmangel ist häufig – vor allem bei Frauen. Ein niedriger Ferritinwert kann die Schilddrüsenfunktion, die Energie und die Stimmung beeinflussen, ohne dass klassische Blutbilder Alarm schlagen. Wer die Zusammenhänge kennt, kann rechtzeitig gegensteuern – und muss nicht jahrelang mit Beschwerden leben, für die es eine einfache Erklärung gäbe.


Finde die Begleitung, die ganzheitlich hinschaut.

💡
In der hermaid App findest du Expertinnen, die Schilddrüse, Eisenspeicher und Hormonsystem zusammendenken – und dich individuell begleiten. hermaid App entdecken →https://app.hermaid.me/

Quellen


¹ Zhao L et al. Association between iron deficiency and thyroid function. Nutrients, 2023;15(3):714. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9831750/

² Güneş Açıkgöz A et al. The relationship between iron deficiency and depression. Psychiatry Research, 2020;284:112671. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31894917/

³ University of Michigan Department of Psychiatry (2023). Could low iron be making your mental health symptoms worse? https://medicine.umich.edu/dept/psychiatry/news/archive/202305/could-low-iron-be-making-your-mental-health-symptoms-worse

Mehr Artikel

Priorisiere dich und deine Gesundheit!

Entdecke deine Gesundheit mit hermaid: effizient, bequem und individuell auf dich zugeschnitten