
Wie eine Endometriose-Operation die Menopause beeinflussen kann
Wenn die Operation die Wechseljahre auslöst: Endometriose-OP und Menopause
Für viele Frauen mit Endometriose ist eine Operation ein Wendepunkt – endlich Erleichterung nach Jahren des Schmerzes. Doch manchmal bringt der Eingriff eine Veränderung mit sich, auf die viele nicht vorbereitet sind: die Menopause. Nicht als langsamer Übergang, sondern als abrupter hormoneller Bruch.
Was das für deinen Körper bedeutet, welche Risiken du kennen solltest – und wie die richtige Begleitung aussieht, erklärt Dr. med. Natella Obenaus-Goloviants, Fachärztin für Frauenheilkunde und Expertin bei hermaid.
Was bei einer Endometriose-Operation passiert
Bei einer Endometriose-Operation wird das versprengte Gewebe entfernt – manchmal auch ein Teil oder beide Eierstöcke (Ovarektomie), wenn diese stark betroffen sind. Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Die Eierstöcke sind die wichtigste Quelle für Östrogen und Progesteron. Werden beide entfernt, bricht die Hormonproduktion sofort ein.
Die Folge ist eine sogenannte chirurgische Menopause – und sie unterscheidet sich grundlegend von der natürlichen.¹
Chirurgische vs. natürliche Menopause: ein wichtiger Unterschied
Bei der natürlichen Menopause sinken die Hormonspiegel über Jahre hinweg langsam ab. Der Körper hat Zeit, sich anzupassen. Bei der chirurgischen Menopause passiert das alles über Nacht.
Das bedeutet in der Praxis:
- Hitzewallungen, Schlafstörungen und vaginale Trockenheit können deutlich intensiver auftreten als bei einem natürlichen Verlauf¹
- Stimmungsveränderungen und Erschöpfung setzen oft unmittelbar nach dem Eingriff ein
- Das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt – besonders bei jüngeren Frauen – durch den abrupten Östrogenabfall erheblich⁵
Hinzu kommt eine oft übersehene Herausforderung: Frauen, die ihren Zyklus wegen Endometriose bereits medikamentös unterdrücken, merken den Beginn der Wechseljahre nicht an der ausbleibenden Blutung. „Stattdessen kommen Hitzewallungen, Gelenkbeschwerden oder Schlafstörungen – Signale, die leicht übersehen oder falsch zugeordnet werden", erklärt Dr. Obenaus-Goloviants.
Ein häufiger Irrglaube: Mit der OP ist Endometriose vorbei
Auch nach einer Operation – und auch nach der Menopause – kann Endometriose weiterbestehen. Reste von Gewebe können aktiv bleiben. Und: Bestimmte Hormontherapien können unter Umständen Beschwerden reaktivieren.²
„Der klassische Regelschmerz verschwindet", erklärt Dr. Obenaus-Goloviants, „aber die Endometriose selbst geht nicht weg. Was bleibt, sind die Narben im Bauchraum und ein überstrapaziertes, überempfindliches Nervensystem." Deshalb ist eine sorgfältige Nachsorge auch nach dem Eingriff unverzichtbar – inklusive regelmäßiger Kontrolluntersuchungen wie Ultraschall oder Tumormarkern, da Frauen mit Endometriose ein leicht erhöhtes Risiko für bestimmte ovarielle Veränderungen haben.
Hormonersatztherapie nach der Endometriose-OP: Ja, aber individuell
Die gute Nachricht: Eine Hormonersatztherapie (HRT) ist auch nach einer Endometriose-Operation möglich – und bei chirurgischer Menopause oft sogar besonders wichtig, um Knochen und Herzgesundheit zu schützen.
Aber: Die Entscheidung muss sorgfältig abgewogen werden. „Möglicherweise wird ein synthetisches Gestagen einem bioidentischen Progesteron vorgezogen, um einen stärkeren Schutz gegen das Endometrium zu gewährleisten", erklärt Dr. Obenaus-Goloviants. Kombinierte Therapien aus Östrogen und Gestagen oder Tibolon gelten als bevorzugte Optionen, da sie das Risiko eines Wiederaufflammens von Endometriosegewebe reduzieren können.⁶
Kein Schema passt für alle. Eine Ärztin oder ein Arzt mit Erfahrung in beiden Bereichen – Endometriose und Wechseljahre – ist hier unverzichtbar.
Was deinen Körper jetzt wirklich unterstützt
Neben der medizinischen Therapie spielen Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle. Dr. Obenaus-Goloviants betont, dass diese Säulen nicht optional sind – sie sind Teil der Behandlung:
Ernährung: Eine antientzündliche Ernährung kann helfen – individuell angepasst, da jede Frau unterschiedlich auf bestimmte Lebensmittel reagiert. Kalzium, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren sind nach einer Ovarektomie besonders relevant für Knochen und Herzgesundheit. Isoflavone – in Soja, Leinsamen oder Kichererbsen enthalten – wirken zusätzlich hormonstabilisierend und antientzündlich.
Bewegung: Stärkt die Knochen, stabilisiert den Hormonhaushalt – und sollte sich gut anfühlen. Ob Yoga oder Laufen ist zweitrangig.
Schmerzmanagement: „Schmerzen aushalten ist keine Option", betont Dr. Obenaus-Goloviants. „Je länger der Körper Schmerzsignale verarbeitet, desto sensibler reagiert er." Physiotherapie mit Fokus auf den Beckenboden kann auch nach der OP die Lebensqualität deutlich verbessern.
Psychologische Begleitung: Eine chronische Erkrankung, ein operativer Eingriff, ein abrupter Hormonabfall – das fordert nicht nur den Körper. Psychosoziale Unterstützung ist kein Luxus, sondern ein legitimer Teil der Nachsorge.
Du musst das nicht alleine herausfinden
Eine Endometriose-Operation kann Befreiung bedeuten – aber auch einen plötzlichen hormonellen Bruch, der neue Fragen aufwirft. Mit der richtigen Begleitung findest du deinen Weg zurück zu dir – körperlich, seelisch, hormonell.
In der hermaid App findest du Expertinnen wie Dr. Obenaus-Goloviants, die beide Themen kennen: Endometriose und Wechseljahre. Keine Warteschleifen, keine Erklärungsmarathons.
Quelle
¹ Thacker HL. Surgical menopause: Risks, benefits, and hormone therapy options. Cleveland Clinic Journal of Medicine. 2011;78(6):377–386. https://doi.org/10.3949/ccjm.78a.10063
² Shakiba K, et al. Surgical treatment of endometriosis: A 7-year follow-up on the requirement for further surgery. Obstetrics & Gynecology. 2008;111(6):1285–1292. https://doi.org/10.1097/AOG.0b013e3181758ec6
³ Fedele L, et al. TAH and BSO for endometriosis: A long-term follow-up. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica. 2004;83(5):467–472. https://doi.org/10.1111/j.0001-6349.2004.00502.x
⁴ Hansen KA, et al. Surgical management of endometriosis. Clinics in Obstetrics and Gynecology. 2013;56(1):84–95. https://doi.org/10.1097/GRF.0b013e3182827e4b
⁵ Parker WH, et al. Ovarian conservation at the time of hysterectomy and long-term health outcomes in the Nurses' Health Study. Obstetrics & Gynecology. 2009;113(5):1027–1037. https://doi.org/10.1097/AOG.0b013e3181a11c64
⁶ O'Hara AJ & Rowe EJ. Hormone therapy after surgical menopause. Menopause International. 2013;19(1):23–29. https://doi.org/10.1258/mi.2013.013003
⁷ Gemmell LC, et al. The management of menopause in women with a history of endometriosis. Human Reproduction Update. 2017;23(4):481–500. https://doi.org/10.1093/humupd/dmx011
⁸ ESHRE Endometriosis Guideline, 2022. https://www.eshre.eu/Guidelines-and-Legal/Guidelines/Endometriosis-guideline
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt deines Vertrauens.









