Wechseljahre am Arbeitsplatz

Susanne Feldt
Artikel
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Illustration von Momina Zulfiqar und Susanne Feldt

Einblicke aus der HR-Welt: Zahlen, Daten und Fakten zu den Wechseljahren

In unserem letzten Gespräch mit einem großen deutschen Technologieunternehmen hörten wir die Äußerung einer HR-Mitarbeiterin, die uns empört zurückließ: "Das Thema Wechseljahre ist einfach zu klein". Doch wir müssen uns fragen: Ist das wirklich der Fall? Betrifft es nicht einen erheblichen Anteil von Frauen in der Regel zwischen Anfang 40 bis ca. Mitte 50? Ironischerweise bietet die Firma Programme wie "social egg freezing" an, die sich an Frauen zwischen 30 und 40 richten, die keine Partnerschaft haben und eine Versicherung abschließen, um Ende 40 noch ein Kind zu bekommen – genau in dem Zeitraum, in dem einige von ihnen bereits in der Perimenopause sein könnten. Die Stille um das Thema Wechseljahre führt dazu, dass Betroffene oft leiden, ohne sich zu trauen, ihren Arbeitgebern gegenüber offen darüber zu sprechen. Doch die Realität ist, dass die Wechseljahre nicht nur ältere Frauen betreffen, sondern auch Frauen ab 35+. Viele befinden sich noch in der Phase der Familienplanung und haben Angst vor einem frühen Einsetzen der Wechseljahre oder Unfruchtbarkeit. Selbst klinische Menopausen-Patientinnen (siehe unseren Artikel über Frühe Wechseljahre) könnten unter 20 Jährige betreffen. Es ist an der Zeit, das Thema ernst zu nehmen und darüber zu sprechen, denn es betrifft mehr Frauen, als oft angenommen wird.

Hier sind einige beeindruckende Zahlen: Bis zum Jahr 2030 werden weltweit über 1,1 Milliarden Frauen die Menopause durchlaufen. Das entspricht 12,5% der gesamten Weltbevölkerung, also jede achte Person auf unserem Planeten wird eine Frau in den Wechseljahren sein (diese Zahl schließt die heutigen weiblichen Babys mit ein). Jedes Jahr kommen 47 Millionen neu in die Wechseljahre zu dieser beeindruckenden Zahl hinzu, da unsere statistische Lebenserwartung kontinuierlich steigt.

Nehmen wir nur die USA als Beispiel, wo sich über 50 Millionen Frauen in den Wechseljahren befinden. Das bedeutet, dass jeden Tag etwa 6.000 Frauen in die Wechseljahre kommen. In Deutschland leben rund 13 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 60 Jahren, die sich in dem Alter von 40-55 Jahren befinden - und ein bedeutender Teil von ihnen ist berufstätig. Angesichts der Tatsache, dass wir immer länger leben und auch immer länger arbeiten, ist es entscheidend, dass wir verstehen, wie sich die Menopause auf Frauen auswirkt und wie wir berufstätige Frauen in dieser Phase unterstützen können.

Frauen finden oft schwer Ärzt:innen, die sie angemessen begleiten und umfassend aufklären können. Wenn das medizinische System versagt, hat dies auch wirtschaftliche Folgen, die Arbeitgeber zu spüren bekommen. Es ist wichtig zu betonen, dass eine Frau in den Wechseljahren nicht krank ist, sondern einfach eine natürliche Lebensphase durchläuft. Mit einigen präventiven Maßnahmen können Arbeitgeber:innen ihre Mitarbeiterinnen unterstützen, leichter durch diese Lebensphase zu kommen. Es ist an der Zeit, dass wir uns dieser Herausforderung stellen und eine menopausefreundliche Arbeitskultur schaffen, in der Frauen angemessene Unterstützung erhalten, um ihren Beruf sowie Karrieren erfolgreich fortzusetzen. Denn eine inklusive und unterstützende Arbeitsumgebung ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Produktivität aller Mitarbeiterinnen.

Lasst uns die Wechseljahre sichtbar machen und Frauen während dieser bedeutenden Lebensphase angemessen unterstützen.

Symptome und ihre Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit

Die Wechseljahre sind eine Lebensphase, die von über 30 verschiedenen Symptomen begleitet werden kann, die sich in drei Hauptbereiche gliedern lassen. Zu diesen gehören mentale, emotionale und psychologische Symptome, physiologische Symptome sowie genitourinäre Symptome, die das Becken- und Blasenbereich betreffen. Unter den am häufigsten auftretenden Symptomen, die Frauen bei der Arbeit am meisten beeinträchtigen, finden sich Müdigkeit, Hitzewallungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Angstzustände und Schlaflosigkeit. Insbesondere Schlafmangel kann sich negativ auf die Leistungsfähigkeit sowie alle anderen Bereiche auswirken.

Eine UK Studie über "Effects of Menopause at work" zeigt erschreckende Zahlen:

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Bezug auf die Wechseljahre ist die Bindung von Mitarbeiter:innen. Wir alle wissen, dass die Mitarbeiterbindung, besonders in Zeiten des Fachkräftemangels, entscheidend ist. Interessanterweise zeigt eine Studie aus Gro_britanien, dass 12% der Frauen den Arbeitsmarkt aufgrund ihrer wechseljahresbedingten Symptome verlassen. Dies kann erhebliche Kosten für die Ersatzbeschaffung und Schulung nach sich ziehen, sowohl finanziell als auch zeitlich. Die Forscher der Studie haben wir Frauen gefragt, wie ihre Leistung am Arbeitsplatz durch die Symptome der Wechseljahre beeinflusst wird. Etwas mehr als 50% gaben an, dass ihre Leistung am Arbeitsplatz ein wenig beeinträchtigt war, aber über 30% sagten, dass ihre Leistung stark betroffen war. Das bedeutet insgesamt 80% der Frauen, die die Wechseljahre durchmachen, berichteten von Auswirkungen auf ihre Leistung am Arbeitsplatz. Als sie nach krankheitsbedingten Fehltagen gefragt wurden, gaben 39% an, dass sie wegen ihrer Symptome schon einmal krankheitsbedingt gefehlt haben, und 22% hatten aufgrund ihrer Symptome bereits drei oder mehr Tage gefehlt. Beeindruckende 86% gaben an Bedenken zu haben ihrem Arbeitgeber:innen zu informieren, dass ihre Wechseljahressymptome der wahre Grund für ihre Fehlzeiten war.

Auch wurde Frauen in den Wechseljahren die Frage gestellt, ob sie darüber nachgedacht haben, ihre Arbeit aufzugeben. Das Ergebnis war schockierend. 43%, das ist mehr als jede vierte Frau, erwog, ihre Arbeit aufzugeben oder ihre Stunden zu reduzieren, und 12% gaben an, ihre Arbeit aufgrund ihrer Symptome aufgegeben zu haben.

In Bezug auf das Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz gaben 60% an, dass sie nicht das Selbstbewusstsein hatten, um mit ihren Kollegen darüber zu sprechen, und 70% waren nicht Selbstsicher genug, das Thema mit ihren Vorgesetzten zu besprechen. Als die Frauen gefragt wurden, wie ihre Arbeitgeber:innen sie unterstützen könnten, gaben überwältigende 90% an, dass sie Schulungen für das Management und die Personalabteilung wünschten. Und über 95% sagten, dass sie eine Richtlinie zur Menopause am Arbeitsplatz haben möchten.

Was Arbeitgeber:innen tun können?

Die Schaffung einer vielfältigeren und inklusiveren Kultur und Arbeitsumgebung ist ein wichtiges Ziel vieler Unternehmen. Inklusivität spielt eine entscheidende Rolle bei der Mitarbeiterbindung und signalisiert, dass das Unternehmen die Bedürfnisse aller Mitarbeiterinnen ernst nimmt. Indem Arbeitgeber:innen die Symptome der Wechseljahre ernst nehmen und entsprechende Leitlinien sowie Unterstützungsma_nahmen implementieren, vermitteln sie ihren Mitarbeiterinnen die Botschaft, dass sie in einem unterstützenden Arbeitsumfeld wertgeschätzt werden.

Die Statistik, dass 12% der Frauen in den Wechseljahren den Job aufgrund mangelnder Unterstützung am Arbeitsplatz verlassen haben, sollte als Weckruf für Arbeitgeber dienen, diesem entgegenzuwirken. Manager:innen sollten verantwortungsbewusst in ihrer Einstellung, Handlungen und Sprache agieren, um talentierte Mitarbeiterinnen zu halten. Arbeitgeber sollten ausreichende Unterstützung für Frauen in den Wechseljahren bereitstellen, um eine positive Botschaft als Arbeitgeber zu senden und eine inklusive Kultur zu fördern, dies fördert die Mitarbeiterbindung. Eine menopausefreundliche Haltung kann Frauen anziehen und ihre Leistung verbessern, besonders wenn Unterstützung verfügbar ist. Die Bereitstellung von Unterstützung trägt dazu bei, die Beziehungen am Arbeitsplatz zu verbessern und das Potenzial für rechtliche Auseinandersetzungen zu verringern. Es ist an der Zeit, dass Arbeitgeber aktiv werden und sicherstellen, dass ihre Arbeitsumgebung Frauen in den Wechseljahren angemessen unterstützt und ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Karrieren erfolgreich fortzusetzen.

Wie wir als Beratung von hermaid Unternehmen unterstützen:

Unsere Mission bei Hermaid ist es, das Bewusstsein und die Aufklärung über die Wechseljahre am Arbeitsplatz zu fördern. Wir setzen uns dafür ein, das Stigma rund um die Wechseljahre abzubauen und Frauen sowie Unternehmen weltweit dabei zu unterstützen, dieses ganz natürliche menschliche Phänomen erfolgreich zu bewältigen. Indem Unternehmen die Bedingungen und Symptome verstehen, die die Wechseljahre verursachen können, gewinnen Arbeitgeber:innen, Vorgesetzte und Kolleg:innen das nötige Verständnis, um Betroffene angemessen zu unterstützen.

Unsere hermaid Wechseljahresberaterinnen unterstützen Arbeitgeber:innen dabei, ein Bewusstsein zu fördern und ihre Unternehmensrichtlinien zu verbessern, um Frauen in den Wechseljahren zu unterstützen. Wir haben nicht nur medizinische Expert:innen in unserem Team, die Frauen individuell begleiten, sondern auch ein Netzwerk von Organisationsberater:innen, die Unternehmen dabei helfen, eine Wechseljahre-freundliche Kultur am Arbeitsplatz zu schaffen.

Gemeinsam können wir folgende Schritte umsetzen:

1) Erstellung einer Menopause-Richtlinie mit klaren Zielen, um das Bewusstsein in der gesamten Organisation zu schärfen und Kolleg:innen zu ermutigen, offen und komfortabel über die Wechseljahre und ihre Symptome zu sprechen.

2) Aufklärung von Kolleg:innen und Manager:innen über die Symptome und Wege, wie sie Frauen mit Wechseljahres-Symptomen unterstützen können.

3) Versicherung an Frauen mit Symptomen, dass Sie als Arbeitgeber:in verantwortungsbewusst agieren und sich für ihre Bedürfnisse während der Wechseljahre einsetzen.

4) Integration der Menopause-Richtlinie in die allgemeinen Personalrichtlinien zur Mitarbeiterunterstützung und zum Wohlbefinden, um eine ganzheitliche Unterstützung zu gewährleisten.

Durch diese Ma_nahmen schaffen wir eine unterstützende und inklusive Arbeitsumgebung, in der Frauen in den Wechseljahren ihren Beruf sowie ihre Karrieren erfolgreich fortsetzen können.

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